GNTM: "Staubwedel-Couture" & die erste Finalistin

Wie süß doch alle mittlerweile bei Germany’s Next Topmodel sind. Es ist alles so ruhig, so lieb. Selbst von der Produktion angeheizte Diskussionen mit “Zickenpotenzial” schlagen nicht an, ganz im Gegenteil: als die Mädchen ihre “Hausaufgaben” machen und ihre Meinungen äußern mussten, welche drei der übrig gebliebenen Teilnehmerinnen wohl ins Finale einziehen würden, kam es eher zum Gruppenkuscheln und “Probleme aus der Welt reden”, als zu Zickenterror und Stutenbissigkeit.

Keine Aufregungen mehr, seit die Charakterköpfe (ergo Quotenkracher) dieser Staffel – Tessa Bergmeier, Larissa Marolt und Ira Meindl – ausgeschieden sind. Jetzt ist alles, wie Marie es sagen würde “Friede, Freude, Eierkuchen”. Wie nett. Gähn.

Dabei hatten sie diese Woche doch so viele spannende und kreative (Pro7 liebt dieses Wort) Aufgaben zu bewältigen: zum Beispiel musste jede Teilnehmerin allein ein individuelles Fotoshooting organisieren. Also: das Thema ausdenken, die Kulisse auswählen, sowie sich selbst einkleiden und stylen (naja, mit ein wenig Hilfe vom Määnhättn-Schleichwerbe-Fahrradkurier Boris Entrup).

Maria wählte ein sogenanntes “Editorial”-Fotoshooting, und wollte sich selbst darstellen, wie sie aus der Konsum- und Medienwelt ausbricht. Heidis trockener Kommentar dazu: “Du bist noch nicht mal drin, und schon willst du raus?”
Taktisch also sehr unklug von dem Mädchen mit dem roten Playmobilhelm, gerade solch ein medien- und konsumkritisches Thema zu wählen, um Heidi Klum zu überzeugen. Das ist Heidi Kluuhuuum! Hallo? Die Frau, die mit Werbung, Medien und Konsum ihr Geld verdient! Die ein ganzes HeidImperium damit aufgebaut hat. Naja, wenigstens war Marias Idee mal was anderes als der typische “Mädchenkram”. Der Tag mit dem Editorial-Fotografen Rankin in London hat ihr anscheinend ganz gut getan.

Als nächstes war Marie an der Reihe. Sie war ganz Barbie und hatte sich – wie schön! – sogar eine “Geschichte” für ihr Fotoshooting ausgedacht. Und wie geht sie? “Es war einmal ein schönes Mädchen namens Marie. Eines Tages saß Marie inmitten von pinken Barbie-Accesoires in einem viel zu knappen Pyjama im Bad (/Rumpelkammer/ Vorzimmer/ begehbarer Kleiderschrank???) und erhielt einen Anruf von Heidi Klum, über den sie sich riesig freute – sie war unter den Top 5 von Germany’s Next Top Model.” Wie niedlich. Aufgesetzt ist ja noch nett formuliert.

Jessica versuchte es mit italienischer Leidenschaft. Mit der Liebe zum Leben. Mit “Dolce Vita”, was bei ihr immer so klang wie “Deutsche Wiedah”. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum Shooting: statt nach Italienerin auszusehen, erinnerte sie eher an eine billige Kopie einer spanischen Flamenco-Tänzerin. Mit Dolce Vita hatte das so gut wie gar nichts zu tun. Wie Rolf ganz richtig formulierte: es hatte das Flair eines Reisekataloges für Sevilla.

Mandy, die Kate Hudson der Top5 von Germany’s Next Topmodel wollte aus Mandy das Candy Girl machen. Also richtete sie sich süß her, blies fleißig süße Luftballons auf und schmiss auf süße Art und Weise ganz viele zuckersüße Bonbons durch die Luft. Und hat die “Tschällentsch” damit auch gewonnen. Also bitte – offensichtlicher hätte man das Ganze nicht machen können: Die Fotos reden nicht nur, sie schreien geradezu “Ich bin soooooo süüüüüüüüüß!” – Klasse Idee.

Zuletzt durfte Sara zeigen, was sie für tolle Ideen für ihr Shooting hatte. Und ganz ehrlich: wäre die Kulisse sowie das Outfit und die Frisur von einem Profi gemacht worden, wäre meiner Ansicht nach ein Mega-Foto dabei herausgekommen. Denn Sara versuchte, im Gegensatz zu den anderen “Mädels” ihre Message ein wenig subtiler rüberzubringen. Sie ist keine Barbie. Sie ist auch kein konsumkritisches Gesamtkunstwerk, kein Bonbon-Krümelmonster und auch keine aufgewärmte Pseudo-Südländerin. Sie ist natürlich, sie ist ästhetisch, sie ist erwachsen. Sie braucht keine knalligen Farben, kein meterlanges Grinsen und keinen Schlag mit dem Zaunpfahl, um mit ihrem Foto zu punkten. Nur leider war die Jury dermaßen berufsblind, dass subtile Schönheit und ein zurückhaltendes aber keineswegs bescheidenes Foto ihnen nur langweilig vorkamen. Sara, deine Idee rockt!

Aber Sara ging in dieser Folge ja nicht ganz leer aus: neben einer Werbkampagne mit Gilette (Eine Frau sieht beim Rasieren übrigens niemals so graziös aus wie in der Werbung – nur so zur Info, liebe Männer!) wurde zudem der dunkelhäutige äthiopische Sonnenschein als erste Finalistin gewählt.

Nachdem beim Live-Walk heute die Kandidatinnen in ihren Haute-Couture-Kleidern eher untergegangen sind und ausgesehen haben wie Swiffer-Staubwedel auf zwei Beinen, stand endlich die Entscheidung an, wer ins Finale darf, und wer nicht.

Wer definitv nicht im Finale ist, wurde heute auch entschieden: Maria, die Große mit dem roten Prinz-Eisenherz-Topfschnitt und den etwas zu markanten Ecken (Kinn!) und Kanten (Nase!) flog raus. Doch Heidi musste unbedingt noch sagen, wie toll Maria war, wie editorial, wie einzigartig… *seufz*

In der nächsten Sendung, diesmal am kommenden Dienstag um 20:15 Uhr (huch, was ist denn mit Mascerade?) wird sich dann auch entscheiden, welche beiden der drei übrig gebliebenen Kandidatinnen auch ins Finale ziehen? Wer muss gehen? Jessica, Mandy oder Marie?

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